Fakten und Trends zum Zürcher Immobilienmarkt | Juli 2022


     


Die Angebotsmieten von Homegate haben im ersten Halbjahr mit 1,3 Prozent kräftig zugelegt. In der Stadt Zürich war die Preisdynamik mit +4,8 Prozent besonders akzentuiert.

Wer meint, bei diesem Anstieg handle es sich um eine Verrechnung der höheren Heizungs- und Stromkosten, irrt sich. Die Vermieter berücksichtigen die höheren Nebenkosten bei der Insertion der Mietwohnungen bisher nur ansatzweise. Im Schnitt sind die Nebenkosten in den Mietinseraten seit Frühling 2020 rund 2 Prozent gestiegen. Damit hinken diese der Entwicklung der tatsächlichen Kosten weit hinterher.

Überraschenderweise wurden die Nebenkosten im teuersten Mietpreissegment am stärksten nach oben korrigiert. Eigentlich würde man bei teuren Mietwohnungen eher den energetisch frisch sanierten Wohnbau mit Wärmepumpe erwarten, welcher den Schub der Energiepreise kaum zu spüren bekommt. Wärmepumpen haben im oberen Mietpreissegment mit 20 Prozent zwar den höchsten Anteil, Gas ist jedoch mit 34 Prozent die dominierende Heizungsart.

An zentralen und damit auch teuren Lagen wurde in der Vergangenheit das Gasnetz stark ausgebaut. Teure Mietwohnungen kommen schlechter weg als erwartet. Das günstige Mietpreissegment wird seinem Ruf schon eher gerecht. Ölheizungen sind in diesem Segment mit 54 Prozent aller Inserate weit verbreitet, fossile Heizungen haben insgesamt einen Anteil von 81 Prozent. Dementsprechend exponiert sind diese Mieter gegenüber dem Schub der Energiepreise. Ist dieser unvollständig in den inserierten Nebenkosten reflektiert, müssen auch Neumieter mit Nachzahlungen rechnen.

Der Grund für die Mietpreissteigerungen sind offenbar höhere Nettomieten. Bereits die jüngsten Leerwohnungszahlen der Stadt Winterthur, welche auf den tiefsten Stand seit acht Jahren gefallen sind, haben gezeigt: Die Zeiten des Überangebots an Mietwohnungen sind vorbei. Mietwohnungen an begehrten Lagen werden vielmehr wieder knapp.

Schon seit über zwei Jahren sind die Baugesuche rückläufig. Die Zurückhaltung seitens Investoren trifft auf eine rege Nachfrage nach Mietwohnungen. Die Nettozuwanderung hat im Zuge der Pandemie zugenommen. In den ersten fünf Monaten des aktuellen Jahres sind netto bereits rund 33'000 Personen eingewandert – eine Zahl, die 2021 erst bis und mit August erreicht wurde. Dabei handelt es sich um die Statistik der ständigen Wohnbevölkerung, ukrainische Flüchtlinge sind also ausgeschlossen.

Als die Sorge am Mietwohnungsmarkt noch den hohen Leerständen galt, konnte man sich fragen, ob allfällige Referenzzinssatzerhöhungen an die Mieter überwälzt werden können. Im heutigen Marktumfeld wird das möglich sein. Mieter sollten sich auf steigende Wohnkosten einstellen.


19/07/2022

Tags : ZKB

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Ursina Kubli, Analytics Immobilien